Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

geleſen, welchen jeder meiner Untergebenen und Diener ſtrenge Folgſamkeit angeloben muß? 6 5

Ich kenne ſie, oh meine gnädigſte, thenerſte Durch⸗ laucht, ich kenne ſie, ſeufzte der Haushofmeiſter,und Ew. Gnaden müſſen mir das Zeugniß geben, daß ich ſie ſeit den fünfundzwanzig Jahren, die ich im Dienſt Eurer Durchlaucht zu ſtehen die Ehre habe, noch niemals ver⸗ geſſen und verletzt habe. Es iſt heute zum erſtenmal, daß mir dies Unglück geſchehen iſt, und ich bitte Ew. Durchlaucht ganz unterthänigſt um Verzeihung und Gnade.

Ich will ſie Ihnen diesmal noch gewähren, ſagte der Fürſt nach langer Pauſe, indem er langſam ſein Haupt neigte;ich will Ihrer ſonſtigen guten Eigen⸗ ſchaften gedenken und Ihre Unbeſonnenheit mit dem ge⸗ wöhnlichen Leichtſinn der Jugend entſchuldigen.

Der alte Haushofmeiſter ſeufzte tief auf bei dieſem Entſchuldigungsgrunde.Es war vielleicht weniger aus

ürſt Kaunitz ließ Jedem, der in ſeine Dienſte trat, auch ſeinen Geheimſecretairen ſeineHausgeſetze vorleſen, von denen das hauptſächlichſte Verbot darin beſtand, daß es Jedermann zur heiligſten Pflcht gemacht ward, in Gegenwart des Fürſten nie⸗ mals die WVorte:Pocken, Tod, verſtorben in den Mund zu nehmen; überhaupt aber nicht von ſolchen Dingen zu ſprechen, die an die Hinfälligkeit des menſchlichen Daſeins erinnerten.