Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

168 Sie werden mich niemals vergeſſen, und ich werde Ihnen niemals verzeihen. Mein Haß iſt die Kette, welche Sie an mich feſſelt, Sie werden ewig ſuchen 4 ſie zu zerreißen, bis ſie endlich vor Verzweiflung ſter⸗ ben. Dann wird Oronvoko gerächt ſein!

Ja, ich werde Ihnen folgen, überall hin, durch

die ganze Welt! ſchrie der Graf, indem er ihre Hand faßte.

Sie ſtieß ihn langſam, aber mächtig zurück.

Folgen Sie mir immerhin, ſagte ſie. Aber ich verbiete Ihnen, daſſelbe Schiff zu beſteigen, mit wel⸗ chem ich nach London zurückkehre!

Und ſich an den Officier wendend, welcher eben eintrat, ſagte ſie: Herr Capitain Behn, ich bin bereit.

Laſſen Sie Ihre Leute kommen, meine Sachen ab⸗ zuholen, und auch mich wird man leider tragen müſſen, denn meine Füſſe ſind ſo ſchwach, daß ſie zuſammenbrechen!

Ich werde Sie ſelber tragen, und es wird die. ſchönſte Blume ſein, welche jemals an meiner Bruſt geglänzt, ſagte Capitain Behn, indem er Aphra em⸗

1 por hob. 16 In der Frühe des andern Morgens lichtete das Schiff die Anker.

Aphra ſtand an den Maſt gelehnt, ihr ſchönes Ant⸗ litz war ſanft geröthet von den erſten Strahlen der aufgehenden Sonne. Sie blickte hinüber nach dem Lande, deſſen verſchwimmende Ufer allmälig am Ho⸗ rizonte ſich zu verlieren begonnen, und ihre Lippen flüſterten leiſe:

Lebe wohl, Oronooko! Wohl Dir, daß Du ge⸗ ſtorben biſt, und wehe mir, daß ich noch lebe. Aber ſo lange ich lebe, werde ich Dich lieben! Lebe wohl, Oronvoko! Auf Wiederſehen dort oben!

Ende des erſten Bandes.

.

Druck von C. Guthſchmidt& Comp in Berlin, Lindenſtr. 81.