Teil eines Werkes 
1. Theil (1826) Das Verhängniß / von Fr. Laun
Entstehung
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und Knappen des Gefolges, dabei flatterten Fah⸗ nen, mit den Farben des erlauchten Turniergaſtes, wenn dieſer von fuͤrſtlichem Stande war.

Am Morgen des Feſtes ſelbſt, ſtroͤmte Jung und Alt, nach gehaltener kirchlicher Andacht, dem Platze Smithfield zu, wo das Ritterſpiel gehalten werden ſollte, und die Schaugeruͤſte ſchon am Sonnabend aufgerichtet worden.

Nach Mittag fuͤllten ſich dieſe immer mehr mit Damen, an Kleiderpracht und koͤſtlichem Geſchmeide wetteifernd. Dann zog zu Pferde eine Schaar blaſender Trompeter in die Schran⸗ ken. Ihnen folgte auf einem mit Gold geſtick⸗ tem Gewonde uͤberhangenen, hohen, weißen Roſſe der Ehrenritter, in blankem Stahl und völli⸗ gem Turnierſchmucke, das weißſeidene, zierlich geſtickte Gnadentuch*) an ſeiner Lanze. An ihn ſchloſſen ſich die drei Turnierrichter auf ſchwarzen Roſſen, weiße Staͤbe in ihrer Rechten haltend.

*) Der Zweck dieſes Tuches war, daß der hiermit von den Damen beehrte Ritter durch Senkung deſſel⸗ ben uͤber jeden Turnierer, der aus Unwiſſenheit oder Einfalt gegen die Turniergeſetze gefehlt hatte, ihn un⸗ ter den Schutz der Damen ſtellte, damit er nicht ge⸗ ſchlagen wuͤrde.