Teil eines Werkes 
2. Theil (1826) Das Verhängniß / von Fr. Laun
Entstehung
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Theurer Freund— verſetzte die Dame— vor Allem muͤßt ihr nie aus der Acht laſſen, daß Koͤnig Richard ganz ein Andrer geworden iſt, als er damals war. Die letzten Ereigniſſe haben die Nothwendigkeit einer von der zeitherigen ganz ver⸗ ſchiedenen Handlungsweiſe dargethan, und zu glei⸗ cher Zeit ſein Gewiſſen auf's Maͤchtigſte angeregt. Vielleicht darf ich mich ruͤhmen, Einiges zu die⸗ ſer heilſamen Veraͤnderung ſelbſt beigetragen zu haben.

Dieſes Wort, das, wie die in ihrem Geſichte plotzlich aufſteigende Roͤthe, ihr wider Willen ent⸗ ſchluͤpfte, machte keinen guͤnſtigen Eindruck auf den Ritter. Es ging die Rede, daß Richards Rathgeber, um ihn deſto mehr in ihre Gewalt zu bringen und ſein Auge von allen Staatsgeſchaͤf⸗ ten abzulenken, auch ſchoͤne Frauen ihm zufuͤhrten, an die er ſeine meiſte Zeit verliere. War das vielleicht eine ſolche? Schon die Maasregel, durch einen Kuß ſeine Sinne noch mehr zu entflammen und dann ſich loszureißen von ihm, zeugte zu ſehr von einer kuͤnſtlichen, kalten Berechnung, als daß ihm ihr kurz zuvor freiwillig abgelegtes Geſtand⸗ niß der Liebe nicht hätte verdaͤchtig werden ſollen. Der Gedanke an dieſen Augenblick kehrte in ihm

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