Teil eines Werkes 
1. Theil (1818)
Entstehung
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Der Stolz⸗

Seh ein Mahl hin, Bruder Valentin! dort kniet Eine im erſten Stuhle. Sie hat einen roth⸗ ſammetnen Bücherſack vor ihr, ſie betet gewiß die psalmos graduales; denn ſie iſt ziemlich geſtiegen. Wenige wollen es glauben, daß ſie die Tochter einer Caſtanien⸗Braterin iſt. Sie machte eine reiche Erb⸗

ſchaft, und kam dadurch zu einer ſo vornehmen Hei⸗

rath, daß man ſie jetzt Ihre Gnaden titulirt. Dieß alles ging hin; denn Gott ſchenkt öfter den Menſchen ſeine Gnade, daß ſie von der Nadel zum Adel kom⸗

men. Rur ſollte ſie ſich jetzt nicht ſo aufblähen, wie

ein Truthahn.

Es hatte ſich ein Menſch von geringer Abkunft emporgeſchwungen. Dieſem zu gratuliren erſchien ſein ehemaliger Kammerad, und ſprach: Ich gratu⸗ liere Euer Gnaden von Herzen zu dieſer hohen Würde, wünſche nichts ſehnlicher, als daß Sie viele Jahre leben, und in beſter Geſundheit Ihrem Amte vor⸗ ſtehen möchten. Laſſen Sie mich unter die Gering⸗ ſten Ihrer Diener zählen. Ich, erwiederte der neu⸗ gebohrne Blaſtus, ich kenne Ihn nicht. Auch dem Rahnen nach nicht? fuhr der alte Cammerad fort. Wir ſtanden vor einigen Jahren im beſten Einver⸗ ſtändniß; Brüder und Freunde ſind wir immer ge⸗ weſen. Ich kenne ihn nicht, antwortete der ſtolze Narr wieder. Djeß verdroß den andern ſo, daß er die Gratulation in eine Condolenz umſchuf, und

ſo ſprach: Es thut mir vom Herzen leid, daß Euere

Gnaden wider alles Vermuthen in ein ſo großes Unglück kamen, daß Sie den Verſtand ſo plötzlich und zwar dergeſtalt verloren haben, daß Sie mich gar nicht mehr kennen. Wäre ich nur ſo mächtig, daß ich Ihnen die ſchädliche Geſchwulſt aus dem Hirne vertreiben könnte. Adio!