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Herr Graf! Führen Sie ſie in das kleine Empfangszimmer neben mein Cabinet hier. Sagen Sie ihnen, daß ich ſogleich bei ihnen ſein werde.
Er entließ die Secretaire mit einem raſchen und klingelte nach ſeinem Kammerdiener, um ſein weites bequemes Gewand mit der Uniform zu vertauſchen. Aber während des An⸗ ziehens ſchwankte ſeine Geſtalt hin und her, und als er einige Schritte te er ſich auf den Arm des Kammer⸗
Wink ſeiner Hand,
vorwärts machen wollte, muß dieners lehnen, um nicht umzuſinken.
Oh, rief der Kaiſer zornig, wie ſte hohnlachen werden, wenn ſte mich ſo ſchwach und hinfällig ſehen, wie triumphirend ſie heim⸗ kehren werden, um es den Ungarn zu ſagen, daß ich nichts mehr bin als ein kranker, todesmatter Greis! Aber ſie ſollen das nicht ſehen, ich will ihnen zeigen, daß ich noch immer der Kaiſer bin, und daß das Leben und die Kraft noch nicht in mir erloſchen iſt! Führe mich dorthin, Günther, dort an den Pfoſten der Thür. An ihn will ich mich lehnen, und da will ich ſtehen bleiben, während ich die Herren aus Ungarn empfange.
Er ließ ſich zu der Thür hingeleiten, und lehnte ſich an die breite Mauerbrüſtung derſelben, dann befahl er Günther, die beiden Thür⸗ flügel, welche nach außen hin nach dem Empfangszimmer aufgingen, zu öffnen..*,„
Als dies geſchehen, ſch man da in dem Zimmer die zwölf Magyaren in ihren reichen geſtickten ungariſchen Coſtümen, mit denen ſte ſich diesmal ſtatt der Uniformen und der hatten. Es waren dieſelben Männer, welche ſchon vor Jahren bei dem Kaiſer als Deputation der Ungarn erſchienen waren, und wieder wie damals, ſtand der Graf Palfy, der jetzige Kanzler von Ungarn, an ihrer Spitze.
Der Kaiſer begrüßte ſie mit einem leichten Neigen des Kopfes, die Herren verbeugten ſich mit düſteren Geſichtern.
Wenn mich mein Gedächtniß nicht trügt, ſagte der Kaiſer raſch, ſind das alle dieſelben Herren, welche ich ſchon vor Jahren einmal bei mir geſehen?
Es iſt ſo, Sire, erwiderte Graf Palfy ernſt. Und warum kommen Sie wieder?
Hofkleider geſchmückt—


