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Und das Volk glaubte ſeinen Prieſtern mehr als ſeinem Kaiſer, es war bereit, für ſeine Prieſter den Kaiſer aufzugeben!
Ganz Belgien ſtand jetzt in hellen Flammen des Aufruhrs, die Bürger hatten ſich bewaffnet und bildeten eine Volksarmee, und an ihre Spitze ſtellte ſich der Adel und die Geiſtlichkeit. Die kaiſerlichen Truppen hatten nicht mehr die Macht, dieſe fanatiſirten Schaaren zu beſtegen, aber ſie hatten auch nicht mehr den Willen. Haufenweiſe gingen die Soldaten zu dem Volk über, und dieſe vereinte Macht ſtellte ſich jetzt drohend dem Kaiſer gegenüber. Van der Noot, der Anführer und das Haupt des Aufſtandes, erließ jetzt ein feierliches Manifeſt, in welchem er Brabant für unabhängig, den Kaiſer ſeiner Se uſxh in den Niederlanden für verluſtig erklärte, und ſich ſelbſt
den Bevöllmächtigten des Brabanter Volkes“ nannte. Das Volk hatte jetzt ſchon eine Armee von zehntauſend Mann, und neben den Adligen waren die Prieſter die Führer dieſer Armee. In Waffen trat der Mönch an die Spitze der Volkstruppen, aus den Kloſter⸗ kaſſen wurden dieſe Truppen beſoldet, in den Kloſterhöfen und Gär⸗ ten ſo gut wie auf den öffentlichen Plätzen wurden ſie einexereirt. In allen belgiſchen Städten wurden Meſſen zur Beglückung des bewaff⸗ neten Volks geleſen, und Todtenämter gehalten für die gefallenen Patrioten.*)
Ein allgemeiner Fanatismus bemächtigte ſich der Gemüther, und jauchzend öffneten die Städte Brüſſel, Antwerpen, Löwen, Mecheln und Namur dem Patriotenheer die Thore. 1
Der öſterreichiſche General d'Alton entfloh mit ſeinen Truppen nach Luxemburg, und ſeine Kriegskaſſe mit drei Millionen Gulden blieb in den Händen der Inſurgenten.**)
Das waren die unglückſeligen Nachrichten, welche der kranke Kaiſer zu Ende des Jahres 1789 aus den Niederlanden erhielt. Joſeph wollte indeß noch einen letzten Verſuch machen, die Belgier zu ſich zurückzurufen. Er ſandte den Grafen Cobenzl mit Friedens⸗
*) Groß⸗Hoffinger III. S. 289.
**) Der Kaiſer ließ d's Alton zur Verantwortung nach Wien berufen; er reiſte von Luxemburg ab, ging bis Trier, dort aber tödtete er ſich, indem er Gift nahm, an dem er vier Tage vor dem Tode des Kaiſers ſtarb.


