Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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eine Bittſchrift zu überreichen gehabt, durch die andere Thür ſich ent⸗ fernten.

Eine kleine Pauſe trat ein, denn Joſeph war in ſeinem Cabinet damit beſchäftigt, die Bittſchriften in die für ſie beſtimmte Chatoulle zu legen, damit keine von ihnen verloren gehen könne.

Dann trat er wieder unter die Thür des Controlorganges, und ſeine großen blauen Augen freundlich der Dame zuwendend, welche dicht neben der Thür ſtand, ſagte er mit einer höflichen Verneigung: Haben Sie die Güte einzutreten.

Die Dame trat vor in das Cabinet des Kaiſers, mit eigener Hand die Thür hinter ihr ſchloß.

Jetzt, Madame, ſprechen Sie, ſagte er, aber ich bitte, ſagen Sie mir deutlich, kurz und beſtimmt, was Sie wünſchen, denn Sie ſehen wohl, es ſind noch neun Andere da, welche angehört ſein wollen: wenn ich Jedem von Ihnen fünf Minuten bewillige, bedarf ich faſt einer Stunde, um mich wieder andern Geſchäften zuwenden zu können. Ich bitte alſo, ſeien Sie kurz und beſtimmt. Zuerſt bitte ich um Ihren Namen.

Sire, ich bin die Wittwe des Präſidenten von Kahlbaum.

Ah, er war ein guter Diener des Staats, ſagte der Kaiſer freund⸗ lich. Haben Sie Kinder?

Ja, Majeſtät, erwiderte die Dame. einen jungen Herrn Sohn.

So? Sie haben zwei Fräulein? fragte der Kaiſer. Ich hatte auch ein Mädel, aber es iſt geſtorben.*) Und womit kann ich Ihnen, Ihren Fräuleins und Ihrem Herrn Sohn dienen?

Oh, Sire, dieſe fürchterliche Verordnung, welche die außer⸗

der alsdann

Ich habe zwei Fräulein und

ordentlichen, von Ihro Majeſtät der verſtorbenen Kaiſerin bewilligten

Penſionen einzieht, hat mich, gleich tauſend Anderen, wie ein Blitz⸗ ſtrahl zerſchmettert. Ich bitte Eure Majeſtät, mir gnädigſt meine außer⸗ ordentliche Penſion, die ich bisher aus dem Kammerbeutel erhielt, zu laſſen!

Sie wiſſen alſo nicht, daß der Kammerbeutel aufgehoben iſt? fragte der Kaiſer ſtrenge.

*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe Hübner II. S. 80.

Ich Gnade!

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Aralt