Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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Ich will den ungariſchen Bauer frei machen, ſo wahr mir Gott helfe! rief der Kaiſer feierlich. Die Leibeigenſchaft ſoll aufhören, und eine neue Frohnverordnung ſoll Euch vor den alten Bedrückungen ſchützen. Eine neue Steuertabelle ſoll ausgearbeitet werden, und Euren Vorgeſetzten und Herren ſoll es nicht mehr erlaubt ſein, Euch nach ihrem Belieben und Bedürfniß Steuern aufzuerlegen. Recht und Gerechtigkeit ſoll für Euch ſo gut da ſein, wie für Eure Herren, denen ich nicht geſtatten will, Eure Tyrannen zu ſein. Wo irgend Einer Euch bedrückt, da kommt getroſt zu mir und klagt es mir, ich werde Euch ſchützen und werde Eure Bedrücker ſtrafen nach der Schwere des Geſetzes, welches nicht für Einzelne, ſondern für Alle da iſt, und vor welchem Alle gleich ſind.

Der Bauer hatte dem Kaiſer mit leuchtenden Augen, mit an⸗ gehaltenem Athem zugehört, jetzt, als der Kaiſer ſchwieg, ſtürzte er auf ſeine Kniee nieder, und ein Strom von Thränen entrollte ſeinen Augen.

Herr Kaiſer, rief er, ich habe noch niemals vor Freuden geweint; jetzt thu' ich's! Ich habe noch niemals vor einem Menſchen meine Kniee gebeugt, auch dann nicht, als mein Gutsherr mich peitſchen ließ, weil ich's nicht thun wollte, jetzt thu' ich's freiwillig und mit Freuden. Ich kniee vor Euch, Herr Kaiſer, um Euch zu danken im Namen aller ungariſchen Bauern, die Ihr frei machen, denen Ihr ihre Menſchenrechte und ihre Menſchenwürde wieder geben, und die Ihr erlöſen wollt von dem Druck ihrer Tyrannen! Oh, oh, wie werden ſie erzittern in ihren ſtolzen Schlöſſern, wie werden ſie auf⸗ ſchreien vor Wuth, unſere hochmüthigen Tyrannen, wenn ſie das Wort vernehmen, das unſer Kaiſer geſprochen hat!„Die Leib⸗ eigenſchaft ſoll aufhören, der Bauer ſoll frei ſein, und Recht und Gerechtigkeit ſoll für Euch ſo gut da ſein, wie für Eure Herren!“— Gott ſegne, und behüte und beſchütze den Kaiſer, für dieſes große Wort, mit dem er den armen ungariſchen Leibeignzn zu einem freien Menſchen gemacht, und den Edelmann gebeugt hat unter das Geſetz, welches von nun an für Alle da ſein ſoll, auch für den Edelmann!

Er neigte ſich und küßte die Füße des Kaiſers; dann ſprang er mit jugendlicher Haſt empor.

Lebt wohl, Herr Kaiſer, ſagte er, Joſeph lebhaft zunickend, lebt wohl! Es iſt die höchſte Zeit, daß ich gehe!

Kaiſer Joſeph. 3. Abth. III. 2