Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Weiter weiß ich nichts zu erzählen, Herr Kaiſer. Als der König mit ſeinen Leuten mein Haus verlaſſen hatte, und es dunkel geweſen war, ſchlüpft' ich aus meinem Verſteck hervor, und rannt hinaus vor's Dorf. In der Kirche hatte ſich der Herr Pfarrer mit allen Frauen und Kindern verſammelt; die lagen auf den Knieen und weinten und beteten; wir Männer aber rannten ins nächſte Dorf, wohin der Feind noch nicht gekommen war. Dort gaben uns die Leute Pferde, und ſo ſind wir im vollen Galopp hierher gekommen, um den Herrn Kaiſer anzuflehen, daß er ſich unſerer erbarme, und uns davor behüte, daß wir nicht auch Preußiſche werden müſſen, wie es die Schleſter geworden ſind!

Ich gebe Euch mein Wort darauf, daß Ihr nicht Preußiſch werden ſollt, ſagte der Kaiſer ernſt. Bleibt nur gut Oeſterreichiſch, und leiſtet dem böſen Feind Widerſtand, wo und wie Ihr könnt! Kehre Du jetzt mit Deinen Freunden zurück in Euer Dorf, damit Eure Weiber und Kinder nicht ſchutzlos bleiben. Grüße alle Deine Freunde, und alle Leute aus Deiner Gegend von mir, und ſage ihnen, ſie ſollten nicht verzagen, ihr Kaiſer wache über ihnen, der werde, ſo Gott will, gar bald den böſen Feind aus ſeinen Landen verjagen!— Sie, Herr Graf, haben die Güte, die nöthigen Befehle zu ertheilen, daß dieſer Mann und ſeine Gefährten mit Nahrungsmitteln verſehen werden, denn da der König das Fouragiren befohlen hat, werden ſie bei ihrer Heimkehr keine Vorräthe mehr in ihrem Dorf finden.

Der Adjutant verneigte ſich, und verließ gefolgt von dem Bauer das Gemach.

Lach, rief der Kaiſer, ſich jetzt mit freudeſtrahlendem Geſicht wieder dem Feldmarſchall zuwendend, Lacy, jetzt iſt es vorbei mit der Zauderpolitik und dem Hinhalten, die Stunde der Entſcheidung iſt gekommen, und getreu meinem Wort bin nicht ich es geweſen, der ſie herbei geführt hat. Der König von Preußen iſt es, der mir jetzt einen Namen machen, der mir geſtatten wird, aus dem Dunkel und der Unbedeutendheit hervorzutreten an das Licht, um mir Ruhm und Ehre zu erkämpfen, und der Welt zu beweiſen, daß ich auch ein Feld⸗ herr bin, welcher zu ſtegen und Schlachten zu gewinnen weiß! Jetzt, mein Freund, keine Einwendungen, kein Zaudern mehr! Der König hat uns angegriffen, indem er wider Recht und Billigkeit in Böhmen

Kaiſer Joſeph. 3. Abth. I. 3