Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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Euer erlauchte Majeſtät darf es ſchon wagen, ſich zuweilen in be⸗ ſcheidenes Dunkel zu hüllen, ſagte der Hofmarſchall, denn der Strahlen⸗ glanz Ihrer Erhabenheit leuchtet doch immer aus dieſem Dunkel blen⸗ dend hervor. Ich wünſchte wohl eines Tages der Gnade theilhaftig werden zu dürfen, dem Herrn Grafen von Falkenſtein zu Wien meine Aufwartung machen und ihn dort bewundern zu dürfen in ſeiner Kaiferherrlichkeit.

Es ſoll mir lieb ſein, Herr Herzog, ſagte Joſeph lächelnd, wenn Sie mich in Wien beſuchen wollen, aber ich ſage Ihnen vorher, Sie werden da ebenſo wenig Glänzendes an mir finden wie hier, ausge⸗ nommen zehn oder zwölf Mal des Jahres, wenn ich genöthigt bin den Kaiſer zu ſpielen.*) Aber ſchanen Sie nur, da öffnet ſich die Thür des königlichen Kabinets und eine Anzahl Glücklicher wird in das Him⸗ melreich eingelaſſen!

Der Kaiſer hatte ſich indeß geirrt, es war nicht ein Kammerherr, welcher kam, einige neue Herren zur Audienz zu berufen, ſondern es war König Ludwig ſelber. Man hatte ihn von der Anweſenheit des Kaiſers benachrichtigt und er kam jetzt, denſelben zu begrüßen.

Mit lebhaften Schritten eilte er zu Joſeph hin, die ehrerbietigen Verneigungen der Anweſenden mit einen flüchtigen Kopfneigen erwie⸗ dernd, und den Kaiſer in ungewöhnlich herzlicher Weiſe um Entſchuldi⸗ gung bittend, daß man ihn ſo lange im Vorzimmer gelaſſen.

Kommen Sie aber jetzt, mein Bruder, fuhr der König fort. Das Wet⸗ ter iſt herrlich, und wir wollen, bis man uns zur Tafel ruft, ein wenig in den Gärten promeniren. Geben Sie mir Ihren Arm, Herr Graf!

Er reichte dem Kaiſer ſeinen Arm dar, aber dieſer nahm ihn nicht an, ſondern deutete mit ſeiner Rechten auf die Schaar der Anwe⸗ ſenden hin.

Ew. Majeſtät verzeihen, ſagte er, aber Sie ſind noch nicht zu Ende mit den Audienzen, und es iſt noch nicht an mir die Reihe. Es würde mich aber ſehr ſchmerzen, wenn ich die Veranlaſſung wäre, daß Sie Ihre Pflicht als König vernachläſſigten!

Ludwig runzelte die Stirn, und das Lachen verſchwand aus ſeinen

*) Hübner: Kaiſer Joſeph II. Th. I, S. 152.

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