Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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zwiſchen Frankreich und dem deutſchen Reich befeſtigen und die Friedens⸗ ſtifterin beider Nationen machen! Ach ich fürchte, ich bin dieſer Aufgabe wenig gewachſen, und ich geſtehe Ihnen ehrlich, ich empfinde nicht die mindeſte Luſt, mich in die ernſthaften Händel der Politik einzulaſſen. Ich bin noch ſo jung und wie mir ſcheint, habe ich das Leben noch ſo wenig genoſſen. Man wird es einer Königin von neunzehn Jahren nicht verargen können, wenn ſie auch ihren Antheil fordert an den Freuden und Genüſſen des Lebens. Ich will das Leben in all ſeinen unſchuldigen, ſchönen und reinen Freuden genießen, das iſt meine Politik; ich will die Feſſeln zerreißen, welche die Königin von Frankreich zu einer Sclavin der Etiquette machen, und ihr kaum ein menſchliches Fühlen und Empfinden geſtatten. Das iſt die kleine Palaſtrevolution, die ich mir vorgeſetzt habe, und die Welt ſoll bald die Wirkungen davon er⸗ fahren. Aber außerdem liegt mir doch Eines ſehr am Herzen, und dies zu erreichen, ſoll mein Beſtreben ſein, und dazu müſſen Sie mir Ihren Rath und Beiſtand geben. Der Herzog von Choiſeul muß durchaus wieder in das Miniſterium treten. Ich weiß, daß er es wünſcht, und ich bin ihm zu viel Dank ſchuldig, um nicht ſeine Wünſche berückſichtigen zu wollen. Er iſt es, der meine Vermählung zu Stande gebracht, und mich zur Königin von Frankreich gemacht hat. Er iſt außerdem allezeit ein treuer und eifriger Diener meiner Mutter geweſen, der treueſte und gewiſſenhafteſte Verwalter ihrer Politik. Wenn es mir daher gelingt, fuhr die Königin mit einem ſanften Lächeln fort, den Herzog von Choiſeul wieder zum Miniſter des Auswärtigen zu machen, ſo wird man ohne Zweifel mich gar nicht mehr mit dieſer ernſthaften, und verzeihen Sie, ein wenig langweiligen Staatspolitik beläſtigen wollen, und Herr von Choiſeul wird ein guter Remplagçant für mich ſein. Er wird es verſtehen, die Politik unſeres Haufes zur Geltung zu bringen, und ich ſelher werde an ihm einen treuen und ergebenen Diener und Freund haben. Es iſt alſo durchaus nöthig, daß wir den Herzog von Choiſeul wieder an den Hof zurückrufen!

Der Herzog iſt heute Morgen ſchon von ſeinem Gut Chanteloup in Paris eingetroffen, ſagte Graf Mercy, aber er hält es nicht für rathſam, ſich ſeiner Majeſtät dem König vorzuſtellen, ohne dazu auf⸗ gefordert zu werden!