Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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Oh Sire, ſagte die helle, klangvolle Stimme des Kaiſers neben ihm, Sie machen mir alle meine großen Geiſter ſprachlos vor Ent⸗ zücken. Selbſt der Fürſt Kaunitz, welcher ſonſt der ganzen Welt ſeine gewichtigen Antworten zu geben weiß, hat Ihnen gegenüber keine Worte gefunden, und ſehen Sie nur gnädigſt meinen armen Fürſten Ligne

hier an. Ich verſichere Ew. Majeſtät, er ſieht ſonſt ganz anders aus.

Ich habe ihn noch niemals ſo blöde geſehen. Das macht, die Sonne hat ihn geblendet, aber er wird ſich allmälig an ihre Strahlen gewöh⸗ nen, und dann wird er ſich zu ſeinem Vortheil zeigen.*)

Ich kenne ihn ſehr wohl, ſagte der König lächelnd, ich habe Ihren Brief an Jean Jacques Rouſſeau geleſen, mein Herr Fürſt, und mich deſſelben gefreut. Weil er ſchön und geiſtvoll iſt, glaube ich gern, daß er von Ihnen geſchrieben iſt, und daß ſich nicht ein Anderer erlaubt hat, ſich Ihres Namens zu bedienen.

Ach Sire, rief der Fürſt lächelnd, ich bin nicht berühmt genug, daß irgend ein Schriftſteller auf den Gedanken kommen ſollte, ſich mei⸗ nes Namens zu bedienen.**)

Der König neigte ein wenig ſein Haupt, und wandte ſich dann

an den Feldmarſchall von Lacy.

Dieſen da, ſagte der König, ihm die Hand auf die Schulter le⸗ gend, dieſen da haben Ew. Majeſtät auch nicht nöthig mir vorzuſtellen. Er hat mir Jahre lang zu viel zu ſchaffen gemacht, und er iſt mir oft zu nah gekommen, als daß ich mir ſeine Züge nicht ſollte gemerkt, und ſie auf immer meinem Gedächtniß eingeprägt haben. Ein Glück für mich, mein Herr Feldmarſchall, daß Sie nicht hier heute Quartiermeiſter ſind, ſondern daß der Kaiſer ſelber mir Quartier giebt. Ich habe Gelegenheit gehabt, den Generalquartiermeiſter Lacy zu bewundern und ſeine Macht zu empfinden.

Aber wo iſt Loudon? fragte der Kaiſer laut. Sehen Ew. Ma⸗ jeſtät nur, der Loudon iſt nicht da, er hat ſich verſpätet!

*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Conversations avec Frédéric le Grand par le Prince de Ligne. p. 11.

**) Dieſe Antwort bezog ſich darauf, daß kurz zuvor ein anderer Brief an Rouſſeau erſchienen war, unterzeichnet mit dem Namen des Königs von Preußen. Dieſer Brief war indeß von Horace Walpole.