Teil eines Werkes 
4. Abtheilung, Erzherzog Johann als Reichverweser : 3. Band (1863)
Entstehung
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ſelber zum Tode verurtheilt. Wir ſehen uns heute. zum letzten Male, mein Bruder, und deshalb will ich Dir die Wahrheit bekennen. Ich geſtehe es Dir alſo: ich bin es, der die Schuld trägt an dem Morde unſerer Mutter! Ich habe die Mörderhand gedungen. Aber glaube mir, die Gemordete iſt gerächt, denn ich habe ſeit jenem Tage keine Ruhe und keinen Lebens⸗ muth mehr. Was ich auch gethan, wie ich mich auch habe betäuben wollen, Alles iſt vergeblich geweſen. Das Bild der Gemordeten ſteht immer vor mir, und um ihm zu entfliehen, will ich mich jetzt in das Grab flüchten. Ich bin es auch, der meine Gattin in den Tod getrieben, der den armen Baron Guſtav gemordet hat.*) Mit ſolcher dreifachen Blutſchuld kann man nicht leben. Ich gehe alſo hin, um zu ſterben. Aber es ſoll nicht geſagt werden, daß ich mir ſelber den Tod gegeben. Mein ganzes Leben iſt ein Kampf ge⸗ weſen, und ſo will ich auch ſterben im Kampfe. Auf den Barricaden in Wien will ich den Tod ſuchen, und ſei gewiß, ich werde ihn finden!

Und ſo geſchah es! Auf den Barricaden, welche

*) Des Fürſten von Sulkowski eigene Worte. Siehe: Der neue Pitaval. Bd. XXVII. S. 23.