Druckschrift 
Der Wolkenbruch in der Wiegenau : eine Geschichte aus unserer Zeit : der Jugend und dem Volke erzählt / von Ottokar Schupp
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———

— 29

Stimme ſeiner Schwiegertochter drunten im Hofe, die zu ihren Kindern ſagte:„Gehet und ſuchet den Großvater! Er ſitzt gewiß beim Bienenſtand.“ Sie war alſo wieder da. O wie ihn das freute.

Aber er ſprang deßwegen nicht auf und lief ihr entge⸗ gen, um ſie zu begrüßen, ſondern blieb bedächtig ſitzen. In Gefühlsäußerungen iſt man eben ſehr ſparſam auf dem Lande.

Er hörte auch jetzt wieder ihre Stimme, wie ſie ſich ſcheltend zu den Dienſtboten wandte:„Ihr ſteht ja da wie von Gott verlaſſen. Gott hat uns ein gut Theil Arbeit mehr beſchert. Da heißt es, nicht gefaullenzt. Friſch dran in Gottes Namen. Grethe du ſäuberſt den Herd und ſuchſt Feuer zu machen.

Wir wollen Kaffee kochen. Der Philipp mag dir zur Hand gehen. Ich will einmal nach oben gehen, dort wird es wohl noch ein trocken Plätzchen zum Schlafen geben für heute Nacht. Morgen kommen wir ſchon wieder in Ordnung.“

Dieſe reſolute Art der jungen Frau, die in der troſtloſen Lage ohne ſich zu beſinnen ſofort den„Zipfel am rechten Ende anzufaſſen“ wußte und gleich damit anfing, wozu er ſelbſt, der Erfahrene erſt nach einigem Nachdenken gekommen war, that dem alten Manne bis in die tieſſte Seele wohl. Sein Auge leuchtete. Schon die friſche muthige Stimme ſeiner Schwiegertochter hatte ihn froh gemacht. Als nun aber die lieblichen Enkelkinder, die ihn raſch aufgefunden hatten, ſich ſo freudig und liebreich an ihn anſchmiegten, da hegte er ſie und küſſete ſie und während Thränen ſeine gefurchten