Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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ſtaͤnde, deren Zuſammenfluß ſie eine Zeitlang aus einander gehalten hatte, und von denen beim Lichte be⸗ ſehen, die meiſten ſogar nur weſenloſe Geſtalten ihrer Einbildung geweſen. So haͤtte, wie die Graͤfin ein⸗ geſtand, ſich in ihr allmaͤhlig die Vorſtellung erzeugt, Altenberg habe ſie nicht aus Liebe, ſondern einzig aus Dankbarkeit gegen den verſtorbenen Langenhof geheirathet, eine Vorſtellung welche ihrer nunmehri⸗ gen Anſicht nach, die groͤßte Ungerechtigkeit an der innigen Zaͤrtlichkeit ihres Gemahles war. Nicht we⸗ niger leuchtete ihr jetzt ein, daß ihr eigenes Vor⸗ urtheil gegen den Adel im Allgemeinen, ihm einen geheimen Stolz auf dieſen angedichtet habe, und daß jenes Urtheil uͤber Ehen zwiſchen einem vom Adel und einer aus dem Buͤrgerſtande, welches ſie einſt gegen die verſtorbene Gruͤnau geaͤußert, auch durchaus keine allgemeine Wahrheit ausgeſprochen, vielmehr einzig auf einer Grille beruht hatte. Ueberhaupt ſprach der Graf, als ſie hierauf beſchaͤmt die Rede brachte leiden die allgemeinen, aus mehreren einzelnen Faͤllen hergeleiteten Saͤtze, nur allzuoft an der Einſeitigkeit und viele Urtheile, die wir fuͤr unwiderlegbar achten, ſtreift eine reifere Er⸗ fahrung, als leidige Vorurtheile von uns ab.