aber ſie wird wieder ſiegreich und ſtrahlend aus den Wolken hervor⸗ brechen, und wird alle ſeine Feinde erblinden machen! Deshalb gerade i*ſt es, daß die Pruſſiani heute ein Feſt geben, um den Tereſiani zu trotzen. Dieſe haben dort drüben im Hôtel zum goldenen Vließ ihren Clubb, und dort haben ſie geſtern ein großes Ballfeſt gegeben, zu Ehren des Sieges, den die Oeſterreicher leider bei Maxen*) über den Heldenkönig erfochten haben. Es iſt freilich wahr, der König hat jetzt zwei Schlachten, bei Kunersdorf und bei Maxen, verloren, aber das iſt immer noch kein Grund für die Pruſſiani verzagt zu ſein, denn hat der König zwei Schlachten verloren, ſo wird er dafür vier Schlachten gewinnen, und die Oeſterreicher, Ruſſen und Franzoſen werden vor ihm laufen, wie ſie bei Leuthen, bei Zorndorf und Roßbach gelaufen ſind. Deshalb, wie geſagt, wollen die Pruſſiani heute ein Feſt geben; ſie wollen den Tereſiani beweiſen, daß das anſcheinende Unglück des Königs ſie gar nicht beunruhigt, ſondern daß ſie ſchon jetzt die Siege feiern, die der große König nächſtens erkämpfen wird.
Des Fremden Antlitz ſtrahlte vor Vergnügen, und er war ſchon im Begriff eine zuſtimmende Antwort zu geben, aber er hielt ſie zurück. Das iſt in der That eine gute Zuverſicht, welche die Pruſſiani haben, ſagte er mit erzwungener Ruhe. Aber Sie haben mir immer noch nicht geſagt, woher es kommt, daß ſich hier ſo viele Preußen aufhalten?
Der Wirth lachte. Mein Herr, ſagte er, beſchäftigen Sie ſich nie⸗ mals mit Politik?
Nein, Signor, erwiderte der Reiſende zögernd.
Nun, ſonſt würden Sie wiſſen, daß es jetzt in der Welt viele Preu⸗ ßen giebt, und daß die ganze Welt Partei nimmt für dieſen Krieg, in welchem ein einzelner Held gegen ſo viele mächtige und verbündete Feinde kämpft. Ja, ja, es giebt jetzt im ganzen Europa Pruſſiani, und überall jauchzt man dem großen Federigo freudig entgegen. Nirgends aber
*) Den 21. November 1759. Bei dieſer Niederlage erlitten die Preußen dieſelbe Schmach, welche ſie einſt bei Pirna der ſächſiſchen Armee angethan. Zwölftauſend Preußen mit neun Generalen mußten die Waffen ſtrecken, und ſich von den Oeſterreichern zu Kriegsgefangenen machen laſſen.


