Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

151

den Ohren, und die Hauptſache, worauf es ankam, die kannſt Du ſo gut berichten wie ich. Die Hauptſache iſt, daß die Ruſſen und Oeſter⸗ reicher ſchlafen und gar nicht daran denken, uns zu verfolgen!

Ja, das iſt wahr, das kann ich dem König auch berichten, rief Fritz Kober, und das wird ihm das Liebſte ſein. Sieh, Karl Heinrich, der Morgen dämmert ſchon herauf, laß uns eilen, daß wir zum König kommen. Wenn er hört, daß die Oeſterreicher und Ruſſen ſchlafen, ſo wird er ſagen, daß es für die Preußen gerade Zeit iſt, um zu wachen.

V. Ein Held im Unglück.

Glücklich und ungefährdet kamen die beiden Grenadiere nach dem Dorfe zurück, in welchem ſich jetzt das Hauptquartier des Königs be⸗ fand. Der erſte Strahl der Morgenſonne beleuchtete die elende, ver⸗ fallene Hütte, in welcher der König ſein Lager aufgeſchlagen. Ringsum war Alles ſtill, nicht das leiſeſte Geräuſch unterbrach die friedliche Mor⸗ genſtille; gleichſam, als habe die Natur ſelber Ehrfurcht vor dem Schlum⸗ mer des Helden, ſchienen ſelbſt die Vögel zu ſchweigen und der Morgen⸗ wind rauſchte nur mit leiſem Säuſeln an die kleinen Fenſter, als wolle er dem König ein friedliches Schlummerlied ſingen. Da die Wachen vor der Thür des Königs fehlten, ſchien die Sonne die Wache überneh⸗ men zu wollen und beleuchtete und grüßte mit ihrem erſten Strahl die heilige Stätte, wo ein vom Mißgeſchick verfolgter Held ruhte.

Leiſe und mit angehaltenem Athem ſchlichen die beiden Grenadiere in die offene Hütte. Dieſes tiefe Schweigen, dieſe von keinem Laut un⸗ terbrochene Stille ängſtigte ſie. Es ſchien ihnen ganz unmöglich, daß ſie hier, in dieſem elenden Hauſe, ſo ganz allein und unbewacht den