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treib, und vielleicht, wenn ich mich ihren Träumen erſt ganz und gar hingebe, werde ich aufhören zu beobachten. Aber wie, Herr von Belle⸗ ville, Sie nehmen Ihren Hut; Sie wollen mich alſo auch ſchon ver⸗ laſſen?
Ich muß. Denn über unſerem angenehmen Geplauder hätte ich faſt vergeſſen, daß ich dem Fräulein von Marſchall verſprochen habe, heute mit ihr ſpazieren zu reiten. Und Sie wiſſen wohl, man muß den Damen immer Wort halten, wenigſtens ſo lange man noch nicht Beweiſe hat, von ihnen geliebt zu werden.
Er reichte dem Grafen lachend die Hand dar und verließ dann, eine franzöſiſche Chanson leiſe vor ſich hinſummend, das Zimmer.
Herr von Ranuzi ſah ihm mit einem langen, finſteren Blick nach. Armſeliger Narr, murmelte er dann, glaubt ein ſo feines Spiel zu ſpielen, daß er ſelbſt mich zu täuſchen vermöchte. Aber dieſe Maske des Leichtſinns und der Flatterhaftigkeit, welche er über ſein Geſicht gelegt hat, iſt doch dünn und durchſichtig genug, daß ich ſehr wohl dahinter ſein wahres Antlitz erkennen kann. Es iſt das Antlitz eines ziemlich ſchlau berechnenden Intriguanten. O, o, ich kenne ſein Spiel auswen⸗ dig, ich verſtehe jede Zuckung ſeines Herzens, und weiß ſehr wohl, was es mit ſeiner Liebe zu der ſchönen Marſchall zu ſagen hat. Sie iſt die Ehrendame der Prinzeſſin Heinrich,— das iſt das Geheimniß dieſer Liebe. Sie iſt außerdem die Vertraute der Prinzeſſin Heinrich, und da dieſe jede Woche von ihrem zärtlichen Gemahl aus dem Feldlager Briefe erhält, lange, zutrauliche Briefe, ſo kennt Fräulein von Marſchall natür⸗ lich den Inhalt derſelben. Gewiß ſpricht der Prinz aber in dieſen Briefen neben ſeiner Zärtlichkeit auch ein wenig von ſeinen und ſeines Bruders Schlachtplänen, und Fräulein von Marſchall kennt dieſe daher. Wenn alſo Herr von Belleville im Stande wäre, ſich ihre Liebe und ihr Vertrauen zu erobern, ſo würde er ohne alle Frage auf dieſem Wege immer ziemlich genaue Kunde von dem erhalten, was im Feldlager vor⸗ geht und im Rath des Königs beſchloſſen wird, und ſomit hätte er allerdings ziemlich wichtige Depeſchen an ſeine Marquiſe von Pompa⸗ dour abzuſenden, Depeſchen, welche man ihm eines Tages ſehr dankbar mit Ehrenſtellen und Reichthümern lohnen würde.— Das iſt der ganze


