Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 3. Band (1858)
Entstehung
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Sind wir denn wirklich arm, da wir uns doch

halten, und beſitzen? fragte er, als ſie ihn innig um⸗ ſchloſſen hielten. Ich ſage, wir ſind immer noch reich, 4 denn unſere Herzen ſind noch warm, und unſere Ehre

iſt noch nicht verloren. Aber wir haben es noch nicht verſtanden, die Dürftigkeit des äußern Lebens zu er⸗ tragen! Wir haben unſere Armuth noch übertüncht . mit den Flittern der Wohlanſtändigkeit, wir haben uns noch geſchämt im groben Gewande über die Straße zu gehen, wir haben noch nicht gewußt, wie viel des Nothwendigen, des Ueberflüſſigen uns noch umgiebt. Wir haben es verſucht, arm und doch glück⸗ lich zu ſein in einer Stadt. Das war unſer Irr⸗ thum. Das Glück der Armuth wohnt nicht in den kalten Mauern einer Stadt, es wird Uicht geſäet zwiſchen den Pflaſterſteinen einer Straße, nur in der Ratur, welche ſo reich iſt, daß ſie Alle nährt, und Allen giebt, die ſich vertrauensvoll an ihre Bruſt 41 ſchmiegen, nur in der Natur und in der Einſamkeit 5 des Landlebens wohnt der Friede und die Ruhe! Kommt, meine Kinder, laßt uns dieſe Stadt ver⸗ 7 laſſen, laßt uns den Muth haben, Kinder der Natur, 1 und freie Bürger der Armuth zu ſein. Laßt uns allen Tand und allen Flitter des Stadtlebens von uns werfen, laßt uns auswandern, nicht über's Meer 8 und nicht in die Wüſte, aber in eine Hütte, und in einen Wald. Ich yabe den letzten Tand meiner Ver⸗ gangenheit abgeſtreift, und der ſilberne Lorbeerkranz und der goldene Becher find doch zu etwas nütze ge⸗ 44