Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 3. Band (1858)
Entstehung
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Eliſe war alt geworden in ſich ſelber, alt, trotz ihrer zwei und zwanzig Jahre, ſie blickte in das Leben vor ſich, wie in eine blüthenloſe, traurige Wüſte, welche ſie mit blutenden Füßen und zerſchlagener Bruſt durchwandeln ſollte, und in der Oede ihres Herzens ſchauderte ſie zuweilen vor dieſer, von keinem Laut, keinem Ton, nicht einmal einem Weheſchrei unterbrochenen Grabesſtille ihrer Bruſt.

Sie war wünſchelos und hoffnungslos. Der Schmerz hatte in ihr ausgetobt, ſie weinte nicht mehr, ſie rang nicht mehr mit ihrer Liebe, denn ſie hatte ſie überwunden. Aber ſie konnte ſich nicht aufraffen zu neuer Lebensfreude, ſie konnte ſich nur reſigniren.

1 Sie hatte das Leben angenommen, und ſie ertrug ees, wie der Vogel es thut, den man in den glän⸗ enden Käfig eingefangen, der Freiheit und der reinen Luft beraubt hat, und ihn dafür mit einem glän⸗ zenden Elend belohnt. S ie auch war ein armer, eingefangener Vogel, und ihre wunde Seele mit dem gelähmten Flügel⸗ ſchlag, ſaß trauernd und todesmatt in dem Käfig ihrer Bruſt.

Inmitten des Glanzes und der Pracht, die ſie, die einzige, vielumworbene Tochter des reichen Man⸗ nes umgab, fühlte ſie ſich einſam und verlaſſen und grenzenlos unglücklich.

Sie bat Gott nur um Frieden, niemals mehr um Glück, denn ſie glaubte nicht mehr an das Glück,