Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 3. Band (1858)
Entstehung
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Was war es, was den tapfern Helden, den ſieg⸗ gewohnten König ſo verſtimmte?

Er hatte gewahrt, daß ſchon der zweite Vorder⸗ zahn abgebrochen. Die dadurch entſtandene Lücke war die natürliche Erklärung ſeines unreinen Flötenſpiels.

Er warf unwillig den Spiegel bei Seite und ging mit gerunzelter Stirn und haſtigen Schritten einige

Male im Zimmer auf und ab.

Aber allgemach trat ein anderer Ausdruck in ſeine Züge, und ein ſarkaſtiſches Lächeln umſpielte ſeinen Mund. Er trat wieder zum Schreibtiſch, auf wel⸗

chem immer mehrere angefangene Briefe lagen, und indem er unter denſelben das an die Gräfin von Camas angefangene Schreiben hervornahm, ſagte er leiſe: die gute Gräfin hat mich nach meinem Aus⸗ ſehen und meiner Perſon gefragt. Nun wohl, ich bin ganz in der Laune, ihr mein Portrait zu zeichnen!

Er nahm noch einmal den Handſpiegel und ſchaute

lange und aufmerkſam hinein, diesmal nicht mit Un⸗

muth und Aerger, ſondern mit dem heitern Lächeln

und der erhabenen Ruhe eines Weiſen.

Dann ſetzte er ſich und ſchrieb:Sie fragen um mein Ausſehen, meine liebe Mutter? Dieſe Unord⸗ nung des Krieges hat mich ſo alt gemacht, daß Sie mich kaum mehr kennen würden! An der rechten Seite des Kopfes iſt mir das Haar ganz grau ge⸗ worden, meine Zähne brechen ab und fallen aus; mein Geſicht iſt faltig wie das Falbala an einem

Weiberrock, der Rücken gekrümmt wie bei einem