Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 2. Band (1858)
Entstehung
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delt und es war Frühling geworden in ihrem Herzen, denn die Liebe war gekommen, ihr in Schmerzen er⸗ kaltetes Herz zu erwärmen mit dem Sonnenſtrahl des Glückes. Sie machte ſich keine Vorwürfe und keine Gewiſſensbiſſe darüber, daß es nicht ihr Gemahl war, den ſie liebte. Wie hätte ſie Achtung haben ſollen vor der Ehe, welche für ſie nur ein Kaufkon⸗ trakt geweſen. Man hatte ſie verhandelt, wie eine Sclavin, und mit ſeligem Jauchzen ſagte ſie jetzt zu ſich ſelber:„Die Liebe iſt gekommen, mir die Freiheit zu geben, und als ein freies, glückſeliges Weib will ich dieſen Kontrakt zerreißen, mit welchem man mich verkaufte!“

Und ſie hatte ihn zerriſſen, ſie hatte kein Mitleid

gehabt mit dem weißen Haar und dem jungen, ihr ganz ergebenen Herzen ihres edlen Gemahls! Sie war geopfert worden, und ſie opferte jetzt mitleidlos den Gatten ihrem Geliebten auf. 3

Für ſie gab es nur noch die Eine Pflicht: dieſem Manne, welcher ſie liebte, mit hingebender Zärtlich⸗ keit, mit grenzenloſer Leidenſchaft ſeine Liebe zu loh⸗ nen. Sie wollte keine Verſtellung und kein Verber⸗ gen, ſie hätte jedes Verhüllen und jedes Umſchleiern für einen Verrath an dieſem heiligen und großen Gefühl gehalten, welches ihre ganze Seele durchglühte.

Gewöhnlich kennt ſchon die ganze Welt den Ver⸗ rath und Treubruch eines Weibes, wenn er ihrem eigenen Gemahl noch ein Geheimniß iſt. Aber hier ſorgte die Gräfin dafür, daß ihr Gemahl der Erſte