Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

178

Sie flog empor, und mit einem Freudenſchrei an ſeinen Hals.Biſt Du da, endlich da?! jubelte ſie und ſchmiegte ſich an ſeine Bruſt. Dann, mit lieblichem Schmollen zu ihm aufblickend, ſagte ſie:Du böſer, theurer Mann! Mich ſo viele Stunden umſonſt harren zu laſſen!

Nordheim lächelte und küßte ihre Augen. Werde weiſe, weiſe, meine ſchöne Schwärmerin, ſagte er zärtlich,lerne doch Beſonnenheit im Glück, und Mäßigung in der Freude, damit auch ſpäter das Unglück und der Schmerz Dich be⸗ ſonnen finde.

O ſprich nicht vom Unglück, rief ſie heftig, ihn umſchlingend.An Deiner Bruſt ruhend um⸗ fange ich Wonne und Glück, und alle Luſt des Lebens. Ein Entzücken iſt in mir, wie ich es nie gekannt, und ich fühle mich wieder jung und glücklich!

Liebe mich, liebe mich, ſo heiß Du kannſt, ſagte er, ſie feſter an ſich drückend,laß uns alle Glut, alles Glück zuſammendrängen in dieſen

Moment, und uns vergeſſen, daß der Zeiger wei⸗

ter rückt und andere Tage bringen wird. Laß mich Deine Lippen küſſen; ſie ſollen mir der Lethe ſein für die Vergangenheit, für Ueberlegung und Erfahrung.

Nun waren ſie ſtumm in jenem Schweigen des

Entzückens, das nur mit Seufzen und Blicken, mit

Lächeln und Dundedelcen ſpricht.

1