Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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mit Bewunderung und Entzücken erfüllte, deren Hoheit und Anmuth, deren Leidenſchaft, Glut und Innigkeit Jedermann hinriß, bewältigte.

In allen Ländern Europas las man Arouet Voltaire's Werke, deren ſanglanter Witz, deren ſcharfe Dialektik, deren hohe Poeſie und ſchneidende Wahrheit von Jedermann bewundert ward, und ihrem Verfaſſer ebenſo viel Verehrer und Freunde, als Gegner und Feinde zuzog.

Seine Feinde, und unter dieſen die mächtige Schaar der Prieſter, waren es geweſen, die be⸗ wirkt hatten, daß Voltaire mehrere Jahre lang aus Frankreich verbannt und gezwungen ward, die Gaſt⸗ freundſchaft Englands in Anſpruch zu nehmen.

Seine Freunde aber hatten es bewirkt, daß der König Ludwig der Fünfzehnte endlich in Gna⸗ den die Strafe aufhob. Voltaire war alſo im Jahre

1739 aus ſeinem Exil nach Frankreich zurückgekehrt, er

durfte jetzt wieder in Paris leben, er durfte ſeine boshafte Geißel über die Kirche, die Prieſter, über die Gläubigen, wie über die Heuchler ſchwingen; er durfte ſeine Tragödien mit ihren erhabenen Heldengeſtalten, ihren begeiſterten Tugendmärty⸗ rerinnen, ihren glühenden Liebenden über die Bret⸗ ter gehen laſſen. Daß er dieſes Alles durfte, ver⸗

dankte er dem Einfluß jener Frau, welche damals Frankreich beherrſchte, weil ſie den König von Frankreich beherrſchte, verdankte er der Marquiſe

voonn Pompadour. Sie war es geweſen, welche