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Lenore wandte den Kopf, ihre Mutterliebe hatte die Nähe ihres Kindes empfunden!
Welch eine reine, verklärende Freude leuchtete aus ihren Blicken, als ſie ihr Kind, das ſeine kleinen Aermchen nach ihr hinſtreckte, an ihr Herz drückte, und es in ihren Schooß legend, mit einem ſeligen Lächeln betrachtete!
Dann zog ſie den Geliebten feſter an ihr Herz, und Gatten und Kind zugleich an ihre Bruſt drückend, rief ſie:„O mit welchen Reichthümern hat mich der Himmel geſegnet. Mein Geliebter, mein Kind, ich drücke Euch an mein Herz! Die Erde hat dem glückſeligſten Weibe nichts mehr zu bieten!“
„Und dies ſchöne, reine Glück, meine Lenore,“ ſagte Santöme,„dies wird uns bleiben! Höher als alles Gold und alle Schätze iſt die Liebe, und dieſe lehrt uns erkennen, wie hohl und leer die Freunden der Welt! Ach das Geld, es ver⸗ mag Alles zu geben, nur nicht dieſe tiefen, be⸗ ſeligenden Wonnen, welche in der Tiefe der Ge⸗ müthswelt erblühen, es vermag Alles zu ſchaffen, nur nicht Friede und Glück, wenn es nicht im Gefolge höherer Schätze iſt! Wohl iſt der Reich⸗ thum ein Theil des Glückes, aber in der Fülle des Goldes würde man darben, wenn das Herz arm iſt an Friede und Liebe!“
„Mein Charles,“ ſagte Lenore lächelnd,„es gab eine Zeit, da war ich thöricht genug zu wäh⸗
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