Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 3. Band (1860)
Entstehung
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lobten, einem jungen Pflanzer der Nachbarſchaft,

als geliebtes Weib in ſein Haus folgen will.

Es war Morgen, die liebliche Morgenfriſche hatte die Glücklichen hinaus gelockt in den Garten, welcher die Villa umgrenzte.

Unter dem ſchützenden Dach einer Marquiſe, nahe am Hauſe, ſaß Santöͤme, neben ihm ſeine Gattin, vor ihnen der gedeckte Tiſch mit der dam⸗ pfenden Theemaſchine.

Ihre Hand ruhte in der ſeinen, und mit dem Ausdrucke liebender Unruhe ſchaute Santöme auf die Geliebte, die ihm heute minder heiter erſchien, als er gewohnt war, ſie zu ſehen. Ihr großes, feuriges Auge blickte ſinnend in die Ferne, und einzelne Seufzer hoben ihre Bruſt.

Und warum, geliebteſte, theuerſte Lenore, fragte Santöme, die Hand ſeines Weibes an ſeine Lippen drückend,warum ſo traurig?

Sie wandte ihre Augen auf ihn hin, und ob⸗ wohl ſie in Thränen ſchwammen, war doch ein Ausdruck von Glück und Liebe in ihnen.

3Weißt Du nicht, Geliebter, fragte ſie,daß es heute ein Jahr iſt, ſeit ich an Deiner Hand dies Haus zum erſten Male betrat?

Und darum weinſt Du? fragte Santöͤme,

bemüht, mit leiſem Scherz ihre tiefe Rührung zu

ſänftigen. Sie ſchlang ihre Arme um ſeinen Nacken, und ihr Haupt an ſeine Schulter lehnend, flüſterte ſie: