Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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Freund, ich bin hier um mein Wort zu löſen. Sie küßte ſeine Lippen und mit leidenſchaftlicher Gewalt rief ſie laut: Erwache! Sage, daß Du mich kennſt, mich ſiehſt, mich liebſt!

Da ſchlug er die Augen auf und ein Blick un⸗ endlicher Liebe heftete ſich auf ſie. Ein Lächeln durch⸗ zuckte ſein Geſicht, ſeine Lippen flüſterten ihren Namen. Mit ſeiner ſterbenden Hand deutete er auf den Brief und das Manuſkript, die auf dem Tiſchchen lagen. Willſt Du, ſagte er leiſe, dies nehmen und ſorgen, daß mein Wille geſchehe? Zur Ehre meines Vater⸗ landes, für ſein Recht und ſeine Freiheit, gegen dä⸗ niſches Unrecht und Unterdrückung iſt es geſchrieben. Willſt Du? 3

Heilig ſoll mir Dein Wille ſein! erwiderte ſie. Alles, Alles, mein geliebter Freund, für Deines Namens Ehre!

So habe Dank ſagte er, und in ihren Armen richtete er ſich empor. Seine klaren ſchönen Augen thaten ſich noch einmal groß auf, und hingen zärt⸗ lich feſt an ihren Zügen. Und plötzlich fingen die hohen Alpenhörner an zu glühen. Ein roſenfarbiger Schein flog von den Schneefeldern herüber über die blauen Berge Savoyens, hinunter in den glänzenden