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hatten den Plan gemacht, dies Schiff zu nehmen, und Sie leug⸗ nen es nicht einmal. Ich könnte Sie vor ein Kriegsgericht ſtel⸗ len und verurtheilen laſſen, wenn ich nicht ſelbſt einige Ver⸗ pflichtungen gegen Sie hätte.“
„Und Sie tragen dieſe Verpflichtungen lieber auf die ge⸗ ſetzloſeſte Weiſe ab,“ erwiederte Henrik.
„Es wäre gänzlich unnütz, mit Ihnen länger darüber zu rechten. Das Stück iſt aus; die Zeit verfließt, dort ſteht Capi⸗ tän Munſter, den Hut auf dem Kopf, und ſein Glas iſt leer. Wir müſſen ſcheiden. Seien Sie folgſam und vorſichtig, das iſt der letzte gute Rath, den ich Ihnen ertheile.“
„O, daß ich vorſichtig geweſen wäre!“ rief Dartley ſchmerz⸗ lich,„daß ich guten Rath befolgt hätte! Lars.“
In dieſem Augenblick öffnete der Bauer die Thür und drängte ſeine mächtige Geſtalt herein.„Hier bin ich, Henrik,“ ſagte er.
„Und auch ich, Henrik, auch ich!“ rief Anna, bei Lars vorübereilend. Der Hut und der Fiſcherrock fielen ab. Mit ihren wunden Händen umklammerte ſie den geliebten Mann und be⸗ deckte ihn mit ihren Küſſen.
„Anna!“ rief Dartley, und er hatte Alles errathen. Seine Augen glänzten vor Luſt und Kühnheit. Er küßte ſie unzählige Male, dann rief er freudenvoll:„Ich wußte es wohl, Ihr wür⸗ det mich nicht verlaſſen. Das Stück iſt nicht aus, Capitän Ro⸗ ſen, es hat ein neuer Akt begonnen.“
„Und welcher?“ fragte der Baron beſtürzt. Ein gewaltiges


