Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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leiden, ſondern ſpann emſig, während die Herren dem Genuſſe der duftigen Cigarre ſich hingaben⸗

Wie eine Parze war Tante Kathrin anzuſchauen; ihr elaſſiſches Profil, ihr lebhaftes Auge, die würdevolle Haltung feſſelten unwillkürlich.

Man mußte mit den Perſönlichkeiten, welche hier anſcheinend eine Scene harmloſen Stilllebens aufführten, ziemlich vertraut ſein, um entdecken zu können, welche verſchiedenen Leidenſchaften ſie unter dem Mantel ver⸗ wandtſchaftlicher Liebe verbargen, welchen entgegenge⸗ ſetzten Zielen ſie nachſtrebten, mit welchem Haß und Mißtrauen ſie einander betrachteten.

Baron Billmann brachte das Geſpräch auf die Einrichtung der Majorate, und ſchon fürchtete Graf Ultritz, der Schwager wolle zu Gunſten ſeines Neffen

Wilhelm ein ſolches gründen, wodurch Mariens Anſpruch

auf das väterliche Vermögen verkürzt worden wäre. Zur rechten Zeit aber dachte er daran, daß Baron Franz ſeine Marie doch viel zu ſehr liebe, um einen ſolchen Schritt zu thun.

Ja, mein lieber Baron, konnte er daher beiſtim⸗ mend erwidern,man ſieht allenthalben ein, daß nur durch große, von Generation zu Generation wachſende Majorate und Stiftungen, durch bedeutenden Grund⸗ beſitz dem Adel wieder aufgeholfen werden kann.