— 264.—
meinigen erhaben, um mir zu geſtatten, meine Gefuͤhle auszuſprechen. Damals war ich ein ſchoͤner junger Mann, wiewohl die Zeit ſeit⸗ dem aus Eiferſucht das Äußerſte angewendet hat, um mich eben ſo alt und mißgeſtaltet er⸗ ſcheinen zu machen als ſie ſelber iſt. Die junge Dame faßte Neigung zu mir, klagte uͤber Zahn⸗ ſchmerz und fragte mich um Mittel dagegen. Ich erbot mich, ihr den Zahn auszüziehen, doch dazu wollte ſie ſich nicht entſchließen, ſey es nun, daß ſie von meinem Rufe gehoͤrt hatte, oder daß ſie den Vorwand zu unſeren Zuſam⸗ menkuͤnften nicht entfernen wollte, oder was noch viel wahrſcheinlicher iſt, daß ſie gar keine
Zahnſchmerzen hatte.
Der Tod ihrer Mutter, der erfolgte, als ſie kleines Kind war, ließ ſie ohne Fuͤhrerin„ und ihres Vaters huͤlfloſer Zuſtand ohne Schuz. Von der Natur mit feurigem Temperamente begabt, uͤberließ ſie ſich dem Eindrucke ihrer Gefuͤhle und lebte mit mir in einer Vertrau⸗ lichkeit, die nur zu ihrer Schmach enden konnte; nach Ablauf eines Jahres, konnte ihr Zuſtand nicht mehr verborgen werden. Jezt war ich in


