Der alte Commodore. 157
einem faſt bejammernswerthen Zuſtande. Die Poſſe von Miß Belmont's anſteckendem Fieber fand vollen Glau⸗ ben im ganzen Hauſe, und wenn dieſem ſich auch kein Beſuch aus der Nachbarſchaft näherte, ſo ward es doch von einem böswilligen Augenpaar ſcharf belauert. Brau⸗ chen wir zu ſagen, daß Mr. Plumerſand dieſen tücki⸗ ſchen Lauerer abgab?
Der Ehrenmann hatte bemerkt, daß nicht nur Briefe von der Poſt in Treſtletree⸗Hall einliefen, ſondern, daß auch täglich zwei oder drei außerordentliche reitende Bo⸗ ten eintrafen und wieder fortgalopirten. Plumerſand ſchnappte auf, daß dieſe Eilboten vom alten Commodore kamen und wieder an denſelben zurückbefördert wurden, und richtig folgerte er, es fände zwiſchen Sir Octavius und Mr. Underdown ein angelegentlicher, den entwiſch⸗ ten Spion und Mörder betreffender Briefwechſel Statt. Daß der fälſchlich als Mörder Angeklagte aber kein An⸗ derer als Auguſtus Aſtell war, wußte Mr. Plumerſand nur allzuwohl.
Die Damen des Hauſes fühlten ſich weniger nn⸗ glücklich als Underdown; ſie fürchteten freilich Schlim⸗ mes, wußten jedoch nicht anders, als daß die Gefahr über Miß Belmont und deren beſtändiger Pflegerin Miß Bacuiſſart ſchwebte. Underdown ließ ſich ſelten, und nur wenn er nicht umhin konnte, vor ihnen ſehen. Ih⸗ ren wiederholten Fragen:»Wo iſt der Commodore? warum kommt er nicht?« konnte er nur die Antwort entgegenſetzen, daß Sir Octavius bald erſcheinen würde, für jetzt jedoch noch dringende Geſchäfte in der Haupt⸗ ſtadt hätte.
Alle Bewohner Treſtletree⸗Hall's meinten, es würde dieſer vierte Tag nimmer enden; nur die beiden Lieben⸗ den meinten das nicht.


