Die Büßung, oder
gebeut, zu leben, zu zweifeln und zu zittern. Klein⸗ müthig gehorch' ich dieſer hohlen Stimme.
Sünde, Du glängende Zauberin! In der Blüthe Deiner Jugend ſcheint das Dunkel Deines Antlitzes ein Uebermaß von Licht zu ſein, und im Frühſchimmer Deiner Lieblichkeit zeigſt Du Dich fürchterlich als eine blutbefleckte Jungfrau, die ſtolz und ſiegestrunken daher⸗ ieht; der Trotz hat in Deinem verwegenen Auge ſei⸗ nen Thron aufgeſchlagen, und Luſt und Ueppigkeit ver⸗ ſcheuchen einander im Lächeln von Deinen ſonnigen „Wangen Dieß, o Sünde, iſt Deine ſchwellende Ju⸗ gend; ſie iſt feſſelnd, iſt ſchrecklich, iſt unwiderſtehlich. Angethan mit dieſem verführeriſchen Glanze, erſchienſt Du mir in meinen früheren Lebenstagen in der dufti⸗ gen Einſamkeit ſüdlicher Haine; dort, während meine jungen Pulſe von Entzücken über die Bethörungen Deiner Silberſtimme klopften, wähnte ich in Dir eine
öttin zu erblicken, und ſank nieder und betete an.
Sünde, jetzt kenn' ich Dich! In Deiner Iugendzeit warſt Du eine mich feſſelnde Begleiterin— in Deinem ſpäteren Frauenalter eine niederzwängende Tyrannin, abſchon Dir noch einige Ueberbleibſel Deiner früheren Schönheit geblieben waren;— allein jetzt, was biſt Du jetzt in Deinem ſcheußlichen Alter? Ein ekelhaftes Gerippe, das in Seide und Hermelin ſich kleidet. Ich blicke in Dein Angeſicht, und ſehe nur den fleiſch⸗ und augenloſen Schädel, der ſich mit höhnendem Diademe krönt; denn ſogar in Deiner Abſcheulichkeit bleibſt Du königlich. Du behaupteſt den Vorrang vor dem Für⸗ ſten des Schreckens. Ehe der Tod war, warſt Du,
und ich möchte fürchten, Du werdeſt noch da bin wenn der Tod ſelber geſtorben ſein wird. Allzu blendendes Ungethüm, ich habe mit Dir ge
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