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— 4 Den 10ten Juli⸗
Meine Tante wird ſichtbar durch meine Blaͤſſe, die wirklich auffallend iſt, beunruhigt, ſie will mich oft uͤber etwas befragen, und wagt es nicht; heute rieth ſie mir gar, Roth aufzulegen, aber dazu werde ich mich nie bequemen! Kann man denn nicht einmal bleicher ſehn als ſonſt, ohne daß es gleich die ganze Welt bemerkte?
Emil koͤmmt jetzt ſo ſelten, und dann auch nur auf Augenblicke, denn ſein Bru⸗ der iſt ſehr krank; man ſagt, er habe die Schwindſucht; das Land freut ſich im Stil⸗ len und ſieht mit froher Hoffnung auf Emil, der dem Fuͤrſtenſtuhle am naͤchſten ſteht wenn der Erbprinz ſtirbt. Warum bebt auch jetzt mein Herz, wenn ich des Todes ſeines Bruders und ſeiner zukuͤnfti⸗ gen Groͤße gedenke?
Iſt er denn nicht mein Gemahl, und vermag irgend Etwas uns jetzt noch zu tren⸗ nen? Wie ein ſchmerzender Stich durch⸗


