Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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Röcheln entfuhr. Alle ſtarben ohne Schwäche, Manche mit Ironie. Sillery ging, als er die Plattſorm erſtiegen hatte, am Rand derſelben herum und grüßte elegant das Volk, wie zum Dank für den Ruhm und das Schaffot.

Aber mit jedem Beilhieb wurde der Geſang um niee Stimme ſchwächer, die Reihen am Fuße der Guillotine wurden immer lichter.

Jetzt ſang nur noch eine Stimme die Marſellaiſe, kräftig, energiſch bis zu der Refrainſtrophe:

Qu'un sang impur abreuve nos sillons! da ward ſie weich, mild, zitternd.

Der letzte Sänger beſtieg das Schaffot: es war Vergniaud. Er war der Chef der Partei geweſen, er hatte ſie Alle, die mit ihm im Kerker geweſen, ſterben ſehen der Letzte auch hierbei auf dem Platze.

Mit dem Geſang auf den Lippen trat er an die Guillotine. Ein Moment und er war dahin, entſchla⸗ fen im Enthuſtasmus, der glänzendſte Redner der Gironde, im Tode noch die Hymne auf die Freiheit und die Revo⸗ lution auf den Lippen.

Das Volk hatte ſein Schauſpiel gehabt. Düſter und gedrückt verlief es ſich von der Blutſtätte.

Ein und derſelbe Todtenkarren führte die enthaup⸗ teten Körper weg, eine Kalkgrube des Madeleinenkirch⸗ hofs nahm ſie auf. Die großen Republikaner lagen neben Ludwig XVI., dem franzöſiſchen König, in der Erde.