Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

kommen. Wie ſie ihn brachten, wurde er in den rei⸗ chen Saal geſtellt, und die Verwandtſ chaft brachte Blumen und Kränze in Menge und trug mir auf, ich ſollte von Blumenſtöcken und Laubpflanzen ſo viele drum herum⸗ ſtellen, als ich nur auftreiben könne. Das hab' ich denn auch gethan und hab' den Todten, der abgezehrt war wie ein Gerippe, aufgeputzt, daß er noch immer ganz leidlich dalag, und gab ihm auch einen Blumenſtrauß in die eine Hand, in welcher er ein kleines Crucifix hatte. Dann machte ich ihm den Drahtzug zur Rettungs⸗

glocke, den jeder Todte bekommt, an der andern Hand

feſt, dachte mir aber dabei wohl: Du wirſt es bleiben laſſen und wirſt nicht mehr läuten. Als ich dann des Nachts wie immer ein paar Mal meine Runde gemacht, um, wie's Vorſchrift iſt, nachzuſehen, ob die Lichter brennen und ob ſich ſonſt nichts ereignet, und wie ich dann wieder in meine Stube nebenan gekommen war und mich aufs Ohr gelegt hatte, da war es, als wenn ich im Saale etwas rauſchen hörte. Dummheit! dachte ich mir; das Blut ſauſt mir wieder einmal in den Ohren— hab' das öfter— und wollte mich auf die andere Seite legen. Da hat's aber meine Alte— die ſchläft an der Wand nebenan— auch gehört, und wie wir's ſo bereden und ich aufſpringe und in aller Eile in den Rock hineinſchlüpfe, während ſie die Laterne an⸗