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O, du geheimnißvolle Stunde, in der ſich
die Seele von ihren irdiſchen Banden loswin⸗
det! wie unwillkürlich erkennt in dir der Menſch jene Gottheit an, deren Macht er vielleicht bisher verſpottete,— er zittert— er betet!
Lady Mary weinte noch immer— ihre Glie⸗ der bebten— aber ſie mahnte ſich an ihre Pflicht, und ſammelte ihre Kräfte zu dem ern⸗ ſten Geſchäft.
„Soll dieſer Kelch nicht an mir vorüberge⸗ hen,“ ſprach ſie,„Herr, ſo gieb Du mir Kraft, ihn zu leeren!“— Sie blickte wieder auf Os⸗ mond, ſein Zuſtand hatte ſich in den letzten Minuten merklich verſchlimmert— es⸗ war keine Hoffnung mehr!
„Meine Augenblicke ſind gezählt, Mary⸗— ſtammelte er,„ich möchte gern— Deine ſüße Stimme— fuͤr mich beten hören— Deine liebe— liebe Stimme— die mir ſo oft— Frieden gab, bete— bete für mich!“
Sie nahm ſeine bleiche Hand, und faltete die ihrigen uͤber ſie, und an ſeiner Seite knie⸗
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