Teil eines Werkes 
2. Band (1823)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 164—

Kochbuch. Ihre Mutter war geſtorben, als Emmy noch ein Kind war; ihr Vater hatte ihr in nichts widerſprochen; und Treſſilian, der Einzige ihrer Umgebung, der faͤhig, und dem es Ernſt war, ihren Geiſt zu bilden, hatte ſeinem In⸗ tereſſe bei ihr dadurch geſchadet, daß er zu eifrig den Ton eines Lehrers annahm, ſo daß das lebhafte, verzogene, eitle Maͤdchen zwar mit großer Achtung und nicht ohne Furcht auf ihn blickte, aber wenig oder nichts von dem ſüßen Ge⸗

fuhl an den Tag legte, welches er ihr ſo gern eingefloͤßt

haͤtte. So wurden ihr Herz und ihre Phantaſie leicht die Beute des wuͤrdevollen Aeußern und der Ohr betaͤubenden Schmeicheleien Leiceſters, ſelbſt, bevor ſie in dieſem den Guͤnſtling des Reichthums und der Macht erkannte.

Die haͤufigen Beſuche des Grafen von Cumnor, im Anfange ihrer Verbindung, hatten Emmy mit der Einſam⸗ keit und der verborgenen Stille ausgeſoͤhnt, zu welcher ſie verurtheilt war; als aber ſeine Beſuche ſeltener und ſeltener zu werden begannen, und ſtatt ihrer Entſchuldigungs⸗Briefe, nicht immer in den waͤrmſten Ausdruͤcken, und nur kurz und in der Eile abgefaßt, eintrafen, zogen Mißvergnuͤgen und Argwohn in die glaͤnzenden Gemaͤcher ein, welche die Liebe fuͤr die Schoͤnheit geſchmuͤckt hatte. Ihre Antworten an Leiceſter legten dieſe Gefuͤhle deutlich an den Tag, und druͤckten, mehr natuͤrlich als vorſichtig, die Sehnſucht aus, aus dieſer dunkeln Verborgenheit erloͤſt, und durch eine oͤffentliche Anerkennung ſeinerſeits in den Glanz, der ihr gebuͤhre, eingefuͤhrt zu werden; und indem ſie alle Gruͤnde dafür mit aller Geſchicklichkeit ordnete, die ihr zu Gebote ſtand, rechnete ſie hauptſaͤchlich auf den ſchwaͤrmeriſchen Ei⸗ fer, mit dem ſie ihre Wünſche ausſprach. Zuweilen wagte ſie ſelbſt Vorwuͤrfe, uͤber welche Leiceſter glaubte ſich nit Recht lelagen zu koͤnnen.