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Florencia, die Kazikenbraut
Entstehung
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meine Erziehung, und ich darf mir ſchmeicheln, daß ſie nicht weggeworfen waren. Ich will die Geſchichte meiner frühern Jugend übergehen, da dieſelbe nur wenig Intereſſe für Sie haben würde, und meine Erzählung mit jener Perio⸗ de beginnen, in welcher ich die Unibverſität ver⸗ ließ. Ich ward ſofort ehrenvoll angeſtellt, und hatte die ſchönſte Ausſicht, bald eines der er⸗ ſten Staatsämter zu erhalten. Ein unerſättli⸗ cher Ehrgeitz erfüllte die Bruſt meines Vaters, er liebte mich nur, weil er durch mich ſeinen Namen noch herühmter zu machen hoffte. Sol⸗ chergeſtalt war meine Lage. Von den glänzend⸗ ſten Ausſichten umgeben, glaubte ich, thörich⸗

3 ter Jüngling, in dem Buche der Zukunft leſen

zu können, da doch ſelbſt der erfahrenſte und weiſeſte Mann nicht im Stande iſt, auch nur das erſte, nächſte Blättchen zu entziffern. Ich lernte ein junges Frauenzimmer von niedri⸗ gem Stande kennen; jene unwiderſtehliche Lei⸗ denſchaft, die ſchon ſo manchen gediegenen Staatsmann, ſo manchen tapferen Helden von dem Gipfel des Ruhmes hinabſtürzte, bemäch⸗ tigte ſich meiner zuerſt, ich muß es zu meiner Schande geſtehen, wandte ich mehrere Mittel