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Laut ließ ſich hoͤren und leiſe hob ich ihn ganz ab.„Ein Bahrtuch, alter Mann! ſprach ich. Ein Bahrtuch von Sammet! Seltſam, daß man das Grab ſo unvollendet gelaſſen hat! Auch dieß koͤnnte man wohl aufheben?“
O a, lieber Herr, ſprach mein ernſter, aber freundlicher Alter: wenn's Euch gefaͤllt. Aber ich will Euch erſt erzaͤhlen, wies um die Sache ſteht. Der letzte Edelmann von die⸗ ſem alten Stamme, der in dieſem Schloſſe wohnte und alle Laͤndereien umher beſaß, hat⸗ te nur eine einzige Tochter. Ein boͤſer grau⸗ ſamer Mann kam, und heirathete das Fraͤulein und wurde auch Herr aller dieſer Laͤndereien. Sie hatte ein Kind, lieber Herr, und man er⸗ zaͤhlt ſich, er haͤtte das Kind und ſie nicht lei⸗ den koͤnnen, und ſie in jenem See ertraͤnkt. Der Schrei, den Ihr gehoͤrt habt, kam von dem Kinde, und die drei Seufzer waren von der Mutter. So machen ſie's immer— eben ſo als da ſie ermordet wurden, meint man— wenn jemand ihr Grab anruͤhrt. Aber wir ſind lange daran gewoͤhnt, und machen uns nun we⸗ nig daraus.— Wollt Ihr ſie ſehen, ſo hebt as Tuch auf.—


