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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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23 gen gar herrlich bewandert. Kein wirthſchaftliches Geſchäft, worin ſie ſich gern von andern Haus⸗ frauen wollten übertreffen laſſen. Ja, Klärchen, ſo war's vor fünfzig Jahren. Meine Mutter wußte zur Noth auch eine Menuet oder eine Polonaiſe auf dem Clavier zu ſpielen, und kam mein Vater mißlaunig vom Rathhauſe, ſo ging es ſchon,

wenn ſie's verſuchte, ihn aufzuheitern durch das Liedchen:

Freude, Göltinn edler Herzen, Höre mich!

Sie zeichnete auch, daß ich's nicht vergeſſe, aber freylich ging ihre Kunſt nur ſo weit als nöthig war, um die Stickerey zu einem Paar Manſchet⸗ ten für meinen Vater, oder zu einem Halstuche zu entwerfen. Seit fünfzig Jahren iſt's nun freylich anders geworden. Manſchetten tragen wir nicht mehr, und ein beſcheidenes weißes Buſentuch mit zierlichen Blumen und Ranken muß ſich freylich gegen einen türkiſchen Shawl verkriechen.

Lieber Oheim, Sie haben heute eine recht mun⸗ tere, beißende Laune⸗

Das wüßte ich nicht, mein Kind. Aber bey⸗ nahe hätte ich's vergeſſen, Herr Monheim aus Wald⸗ hauſen wird uns wahrſcheinlich in dieſen Tagen wie⸗

der beſuchen. Sorge dafür, Dich in der Wirthſchaft

ein wenig vorzubereiten.