41
ich ſie blos zwei oder drei Mal in der Woche, aber nach zwei Monaten brachte ich jeden Morgen in ihrem Hauſe zu und verließ es ſelten vor dem Mittageſſen.
„Die Tonart meiner Holden hatte ich bald ausge⸗ forſcht; ſie war ernſt. Nun hatte ich fruͤher alle mög⸗ lichen Arten von Liebeshändeln bereits durchgemacht; ſchüch⸗ terne junge Ladies, mannhafte junge Ladies, muſikaliſche, künſtleriſche, poetiſche und hiſtoriſche. Dieſe alle kannte ich ſo genau wie meinen Hoſenſack, aber nie zuvor hatte ich es mit einer ernſten und obendrein mit einer Wittwe zu thun gehabt. Die Sache war wirklich mißlich. Cinige Wochen lang wollte die Belagerung nicht vorangehen; alle Kernſchüſſe der heißeſten Liebe, die ich bei andern Gelegenheiten abzufeuern pflegte, halfen hier Nichts. Die Sprache der Liebe, in der ich ohnehin kein großer Held war, wollte nicht verfangen. Komplimente und Schmei⸗ cheleien, dieſe trefflichen Scharmüzler vor dem eigentlichen Gefecht, waren mir unterſagt, und ich glaube wahr⸗ haftig, ein zärtlicher Händedruck hätte mir den Ab⸗ ſchied zugezogen.
„Wie langſam das Alles geht,“ dachte ich, als ich nach zweimonatlicher Belagerung mich noch immer in den Laufgräben befand und noch immer keine Breſche in der Feſtung ſichtbar wurde; aber vermuthlich iſt dies die Manier im Norden und man muß ſich gedulden.
„Während ich auf dieſe Art mich nicht den ſangui⸗ niſchſten Hoffnungen hingeben durfte, gewann ich wirklich viel dadurch, daß ich in Mr. M'Phun'’s Geſellſchaft auf⸗ 3 genommen wurde. Ich ſtieg allmählig in der Achtung der Wittwe und ihrer Freunde, auf welche mein fleißiger Beſuch der Betſtunden und mein überaus geſetztes Be⸗ nehmen einen ſolchen Eindruck machten, daß ſie ſich ernſt⸗ lich beriethen, ob ich nicht in der nächſten Sitzung zum Mitvorſteher ernannt werden ſolle.
„Wäare die Mrs. Boggs nicht eine ſo ungemein liebenswürdige Wittwe geweſen, hätte ſie nicht die oben⸗ beſagten Augen, Lippen, Knöchel und Wittwengehalt be⸗


