Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Sprecht mir von Freundſchaft, meine Lieben, erzählt mir von den feurigen Umarmungen des liebſten Jugend⸗ freundes nach Jahre langer Trennung; von dem herz⸗ lichen, kräftigen Handſchütteln eines alten Schulkamera⸗ den, wenn ihr nach unendlicher Zeit mit ihm zufällig zuſammentrefft und ihr inzwiſchen Zeit und Gelegenheit hattet, groß und berühmt zu werden, ſo daß eine Be⸗ kanntſchaft mit euch leicht allerlei Vortheile bringen kann;

von dem feſtem Händedruck, womit ihr euern Sekundanten

empfanget, wenn er kommt, um zu melden, daß der Gegner mit der geladenen Mordwaffe nicht feuern will, weil er ſein Unrecht einſieht; jede dieſer Gelegenheiten oder auch alle zuſammen, ſo effektvoll und eindringlich ſte immer ſeyn mögen, ſind ein Kinderſpiel im Vergleich zu dem zweihändigen Druck, den ihr von dem Gentleman empfanget, welcher meint, Ihr werdet eine ſeiner Töchter heirathen.

Mein lieber O'Malley, wie gehts? Glaubte ſchon, Sie würden nimmer kommen, ſagte er, mich feſthaltend und mir voll ins Geſicht blickend, um zu berechnen, wie weit er wohl in ſeinen Liebkoſungen gehen dürfe.

Gewiß haben Sie ſich halb zu Tode gehetzt mit Ihren Vorbereitungen, verſetzte Mrs. Dalrymple hold⸗ ſelig lächelnd;bring ihm doch eine Taſſe Thee, Fanny.

Aber, liebe Mama, er liebt ſolche Süßigkeiten nicht, antwortete Fanny mit einem überzärtlichen Blick auf mich, welcher ſagen ſollte, ſie kenne jedenfalls meinen Geſchmack.

Ich glaubte ſchon, Sie würden abreiſen, ohne uns Lebewohl zu ſagen, flüſterte Matilda mit einem Blick freundſchaftlichen Vorwurfs.

Beredtſamkeit war in dieſem Augenblick nicht meine ſtärkſte Seite; ich begnügte mich daher, Fanny einen höchſt verſtändlichen Blick zuzuwerfen, Matilda aber zärtlich die Hand zu drücken, und ſo ſetzte ich mich an den Tiſch. Kaum hatte ich Platz genommen, Matilda zur Seite