212
nungen, war an und für ſich etwas ſo Erfrenliches, daß ich nun bald all mein Leiden vergaß und mit lautloſer Theilnahme auf die Erzählungen meines Freundes horchte. Ein geheimes Gefühl von Erbitterung lauerte übrigens immer noch im Hintergrund. Es verlangte mich nach mannhaft kühnen Unternehmungen, nach Gelegenheiten, mich als Mann zu bewähren, ſo daß mir nicht immer meine Jugend vorgeworfen und ich nicht mehr als Knabe behandelt werden konnte.
Allmälig ſtellten ſich die andern Offiziere vom 14. ein und wir ſetzten uns, zwölf an der Zahl, zu Tiſche.
Es ſollte dies alſo meine letzte Nacht im alten Trinitätsgebäude ſeyn und wir beſchloſſen, dem Lebewohl ſeine gebührliche Feierlichkeit angedeihen zu laſſen. Mans⸗ ſield, einer der wildeſten jungen Burſche im Regiment, hatte hoch und theuer geſchworen, der Abſchied ſolle durch irgend einen entſchiedenen, offenen Ausdruck unſerer Geſinnung ewig denkwürdig gemacht werden, und daher bereits Anſtalt getroffen, die große Glocke in die Luft zu ſprengen, die uns mehr als einmal bei unſeren Zech⸗ gelagen geſtört hatte; aber er wurde überſtimmt von ſeinen beſonnenern Kameraden, und endlich nahmen wir unſere Plätze an der Tafel ein, in deren Mitte bereits mein ganzer akademiſcher Ornat, Mütze, Rock, Bänder u. ſ. w. als Hekatombe ſtand. Ein Scheiterhaufen von Klaſſikern wurde im Kamin errichtet und eine Strafliſte wehte gleich einem Banner über den verurtheilten Helden Roms und Griechenlands.
Es iſt ſelten, daß ein zum Voraus verabredeter Ver⸗ ſuch, recht luſtig ſeyn zu wollen, vollkommen Erfolg hat. Aber an jenem Abend wurde uns dieſes Glück zu Theil. Lieder, drollige Geſchichten, Reden, Toaſte, glänzende Phantaſten über den bevorſtehenden Feldzug, die wilde Aufregung, die bei einer ſolchen Geſellſchaft unvermeid⸗ lich iſt, übten, da die Weinflaſche fleißig kreiſte, ihr Recht an uns aus, und gegen vier Uhr Morgens erhoben wir
Zein ſolch ſchreckliches Getöſe, daß die Pedellen, die einer


