Sie hatte in Rio⸗Janeiro die bizarrſten Phanta⸗ ſieen, die ſie verwirklichte— Phantaſieen, wie nur ihr verderbter Geiſt allein ſie zu erſchaffen und auszufuͤhren im Stande war. Ein Verbrechen verdraͤngte in ihr das Andere; und wahrlich der Elende verdiente das groͤßte Mitleiden, auf den ſie ein Auge geworfen hatte— der ihr nun zur Be⸗ friedigung ihrer Luͤſte dienen mußte.
Dieſes entartete Weib— der Abſchaum ihres Geſchlechts— die, wenn gleich Koͤnigin, wenn gleich der Purpur ſie ſchmuͤckte und die Krone ihr Haupt zierte, doch ſchlechter, nichtswuͤrdiger war, als die ſchaͤndlichſte ihrer Unterthanen, war die Erzieherin, die Fuͤhrerin ihres Sohnes Dom Mi⸗ guel, und ließ ihn bis zu einem Alter von 8 bis 9 Jahren nicht von ihrer Seite. Die Eindruͤcke, die er da in ſeiner fruͤheſten Jugend von ſeiner Mutter ſelbſt erhielt, verlaͤugneten ſich ſpaͤter als Juͤngling, als Mann auch nicht in ſeinem Charak⸗ ter, und machten ihn zu dem Ungeheuer, deſſen Namen man nur mit Entſetzen ausſpricht.
In dem oben angedeuteten Alter ließ ihm der Koͤnig den Pallaſt von St. Chriſtovaö zur Woh⸗ nung anweiſen, und da er ſich ſelbſt mit der Er⸗


