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Die beiden Liberalen : aus den Memoiren eines jungen Parisers / herausgegeben von Leontine Romainville
Entstehung
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ſchwebt, wird ſtuͤndlich der Vergangenheit von mir geweiht. Ja, ich fuͤhle es deutlich, wir ſetzten da⸗ mals als aufkeimende Juͤnglinge, im richtigen Vorge⸗ fuͤhle, die beſte Zeit fuͤr unſere ſchriftliche Mittheilung an, denn nur ein Mal im Leben iſt man der ſchoͤn⸗ ſten Eindruͤcke faͤhig, die durch ihre Vereinzelung den hoͤchſten Werth erhalten. Koͤnnen wir dieſe Eindruͤcke zergliedern, ſind wir uns bewußt, was wir empfan⸗ den, ſo iſt der Culminationspunkt ſchon uͤberſchritten, wir ſteigen hinab, und die Flamme des Enthuſias⸗ mus ſinkt; unmoͤglich kann ſie mit gleicher Kraft zum zweiten Male wieder angefacht werden. So ſinke ſie denn, aber ſie verloͤſche nicht, und jedem edeln Menſchen moͤge das Gluͤck zu Theil werden, an die Tage ſeiner reinſten Liebe mit Wohlgefallen zuruͤck⸗ denken zu koͤnnen, alsdann wird er gern dieſer Em⸗ pfindungsepoche nachtraͤumen, und wo er Theilnahme erwarten kann, gern die Darſtellung davon weiter uͤberliefern, wie es hier meine Abſicht iſt.

Ich muß Euch nun zuvoͤrderſt wieder von un⸗ ſerm Schulleben, unſern Schulneigungen und einigen andern pariſer Sitten reden, mithin von Dingen, die Euch bekannt ſind, indeß bedarf ich der Erwaͤhnung dieſer Dinge zur Erlaͤuterung des Folgenden. Ich gedenke alſo jener Nacht, die unſerm großen Examen, womit die Studien im Collegium Heinrichs IV. ſich fuͤr uns endigten, folgte. Wir hatten Ehrenzeichen, erſte

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