85
26
das Ereigniß jener Tage hatte ihn ſchwer getroffen und
die lang geſparte Kraft in ihren Grundfeſten erſchüt⸗ tert. Andererſeits wurde er auch nicht gerufen, Nie⸗ mand hatte Verlangen, ihn zu ſehen, da er den Einen nur hindernd, den Andern wie ein verkörperter ſtiller Vorwurf erſcheinen mußte. Er hatte in einem ruhig gehaltenen, ganz kurzen Schreiben gebeten, ihn in Gna⸗ den eines Amtes zu entheben, dem er in ſeinem Alter
nicht mehr gewachſen ſei. Lange war ihm kein Be⸗
ſcheid zugekommen; erſt am Tage, an welchem der Kurfürſt die Hauptſtadt verließ, um ſich an die Spitze ſeines Heeres zu ſtellen und den Feldzug gegen Oeſter⸗ reich zu beginnen, erhielt er in gnädigſter Form die Abweiſung ſeiner Bitte. Der Kurfürſt könne ihn nicht entbehren, hieß es darin, gerade während ſeiner Ab⸗ weſenheit ſei es ihm eine Beruhigung, das Regiment in ſo treubewährten Händen zu wiſſen. Deſſenungeach⸗ tet war Unertl bei ſeinem Entſchluß geblieben, er hatte es als nutzlos aufgegeben, mit der Partei, deren Einfluß die Oberhand am Hofe bekommen hatte, den Streit fortzuſetzen; weil es der Wille des Landesherrn war, wollte er bis zur Rückkehr deſſelben in treuer Ergeben⸗ heit ſeine Pflicht thun, dann aber feſt auf ſeinem Ge⸗ ſuche beharren. Was ihn dazu bewog, war nicht der Starrſinn des Alters, das ſich der beſſern Anſicht blos


