Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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ben. Wir müſſen näher bekannt werden und ich hoffe, wir werden es auch! Sie ſind ein Mann nach meinem Sinn, und wie ich Sie nun zu kennen glaube, wird es Ihnen gewiß Freude machen, wenn ich Ihnen zeige, was bei Ihrem Kommen mich eben beſchäftigte. Sie haben erfahren, daß es in München um Bücher nicht ſehr glänzend beſtellt iſt, ein Augsburger Freund ver⸗ ſorgt mich aber in der Stille mit allen beſſern Schrif⸗ ten, die im Norden des Reiches erſcheinen. Dort wenigſtens haben die Geiſter angefangen ſich etwas zu regen. Sehen Sie hier dieſes Buch, das ich ge⸗ ſtern erſt bekommen und ſeitdem ſchon dreimal mit Entzücken geleſen habe: Der Frühling, ein Gedicht von Ewald von Kleiſt. Ich ſage Ihnen, das Büchlein hat mich ordentlich verjüngt; dieſer einfache, natürliche Ton, die reichen Gedanken und vor allem der wohl⸗ klingende Gebrauch, den der Mann von unſerer deut⸗ ſchen Sprache gemacht, daß man ſie kaum wiedererkennt, haben auf mich einen unbeſchreiblichen Eindruck ge⸗ macht. Wie einfach und wie ſchön! Gleich dieſe Anfangszeilen: 1

Empfangt mich, heilige Schatten! Ihr hohen, belaubten Gewölbe, Der ernſten Betrachtung geweiht, empfangt mich und haucht mir

ein Lied ein, Zum Ruhm der verjüngten Natur!