Frau Hildegard ſchmuͤckte nun Roſa's Haar und Hals mit den ſanftglaͤnzenden Perlen, fuͤgte ihr die funkelnden Ohrenringe ein, und ſteckte ihr den praͤchtigen Diamantring an den Finger. Der Ring war aber zu weit. Roſa laͤchelte und ſagte:„Den Ning koͤnnten wir gar weg laſſen. Er ſchickt ſich ohnedieß nicht fuͤr meine Jugend; nur ein ver⸗ lobtes Fraͤulein darf einen Ring tragen.“
Allein Frau Hildegard ſagte:„Seht, der Ring, der fuͤr den Goldfinger zu groß iſt, iſt fuͤr Euren Zeigefinger vollkom⸗ men recht. An dieſem tragt ihn alſo! die Hand der Tochter, die ihrem Vater ſo viel Gutes that, verdient wohl, daß man
ſie mit Edelſteinen ziere.“
Frau Hildegard begleitete nun Fraͤulein Roſa bis an die Kerkerthure. Roſa oͤffnete ſchnell die Thuͤre und rief im Hin⸗ eingehen:„O Gottlob, liebſter Vater, du biſt frei!“ Aber wie uͤberraſcht war Noſa! Ihr Vater ſtand da, wie ehemals an feſtlichen Tagen, in Rittertracht von ſchwarzem Sammet gekleidet, und mit der goldenen Kette und Denkmuͤnze geziert, und die zwei Ritter Siegebert und Theobald, ſtanden ihm zur Seite.
Frau Hildegard hatte naͤmlich ihrem Gemahl vorhin heim⸗ lich geſagt, er ſolle, indeſſen ſie Roſa, einem Fraͤulein ge⸗ ziemend, ankleiden wolle, auch den Ritter Edelbert ritterlich kleiden laſſen; auch moͤchten Siegebert und Theobald den guten Edelbert, damit ihm die unvermuthete Freude nicht ſchade, etwas darauf vorbereiten— jedoch phne ihn merken zu laſſen, daß ſeine Befreiung ſo nahe ſey, um der edlen Tochter die Freude nicht zu verderben, ihrem Vater ſeine Befreiung zuerſt anzukuͤndigen. Die zwei Ritter hatten das Geſchaͤft mit Vergnuͤgen uͤbernommen; ja ſie ſelbſt hatten die Kleidung, die man ihm ehemals raubte, ihm uͤberbracht und anllei⸗ den helfen⸗
Edelbert umarmte ſeine Tochter mit großer Ruͤhrung.
„O meine liebſte Roſa! ſprach er, mit Gottes Huͤlfe haſt du einen Sieg errungen, den ein ganzes Heer mit Schwerdt und Spietz nicht haͤtte erzwingen können. Gewalt der Waffen haͤtte nur Nitter Kunerichs Burg erſtuͤrmen und ihn nur


