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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
Entstehung
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Der wackere Burkhard hatte nun als mein Lehensmann und Kriegsgefaͤhrte ein kleines Guͤtlein inne, das an der Graͤn⸗ ze meines Gebietes liegt, und an Kunerichs Waldungen an⸗ ſtoͤßt. Allein Ritter Kunerich war meinem guten Burkhard ein ſehr boͤſer Nachbar. Er unterhielt in ſeinem Gebiete eine Menge Wild. Die Hirſche kamen haͤufig uͤber die Graͤnze und verheerten des guten Burkhards Aecker; die Wildſchwei⸗ ne zerwuͤhlten ſeine ſchoͤnen Wieſen. Ich gab dem wackern Manne den Auftrag, ſie ohne weiteres niederzuſchießen, und ſie mir einzuliefern; indem alles Wild, das auf meinem Grund und Boden erlegt wuͤrde, von Rechtswegen mir gehoͤre. Ein⸗ mal nun ritt ich Abends mit meinen Leuten von der Jagd heim. Die Sonne war bereits untergegangen, und das Abend⸗ roth blickte freundlich durch die Tannen. Da kam auf ein⸗ mal des ehrlichen Burkhards Weib mit zerſtreuten Haaren, lautjammernd mir entgegen, fiel auf ihre Knie nieder, und

ihre klein Agnes mitgebracht; das Kind kniete neben der Mut⸗ teer und erhob zitternd und weinend die kleinen Haͤndchen. Der Anblick gieng mir durch die Seele. Ich ſtieg ab, und ließ nir erzaͤhlen, was ſich begeben. Die Geſchichte war dieſe: Der gute Burkhard, ſein Weib Gertraud und die kleine Agnes hatten unter dem Baume vor

dacht da uͤberfiel ſie ploͤtzlich Ritter Kunerich, von meh⸗ reren bewaffneten Knechten zu Pferd und zu Fuß begleitet. Die Knechte ergriffen den guten Burkhard, banden ihm die Haͤnde auf den Ruͤcken, warfen ihn auf einen Karren, und fuͤhrten ihn fort. Dieß that Ritter K Kunerich, weil Burkhard

einen Hirſch erlegt, und ihn nach Tannenburg geliefert hatte. Der aufgebrachte Kunerich hatte geſchworen, er wolle da hoshaften Wilddieb, wie er den ehrlichen Burkhard nanne, in dem fürchterlichſten Kerker zu Fichtenburg unter Prätn and Unken verſchmachten laſſen.

Er ſoll frei werden, ſagte ich dem Weibe, und ſote 7ch das tauße Naubneſt daruͤber zerſtoͤren müſſen. Gey

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flehte mich mit gerungenen Haͤnden um Huͤlfe an. Sie hatte

ihrer Hausthuͤre zu Nacht gegeſſen und an nichts Boͤſes ge⸗

kuͤrzlich an der Graͤnze, aber auf unſerm Grund und Boden,